Filmreihe
"Auf der Suche nach dem Glück. Jüdisches Leben im russischen Film (1917-1999)"
Veranstalter:
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Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte, Universität Erlangen/Nürnberg
Filmhaus im KunstKulturQuartier (KuKuQ) (Amt für Kultur und Freizeit der Stadt Nürnberg)
Bezirk Mittelfranken
Forum für Jüdische Geschichte und Kultur Nürnberg e.V.
Förderer:
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Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Förderverein Geschichtswissenschaft in Erlangen e.V.
Kulturreferat der Stadt Nürnberg
Fritz und Maria Hoffmann-Stiftung zur Förderung von Lehre und Forschung
Veranstaltungsort und Zeit:
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Filmhaus im KuKuQ (ehemals KOMM), Juni 2009
Kontakt:
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Lilia Antipow, M.A.
Jüdischer Film in der Sowjetunion?
Noch vor kurzem hätte diese Frage so manchen Filmfachmann im Westen zum Nachdenken gebracht. Während Judentum und das jüdische Thema im westeuropäischen und amerikanischen Film, die Anfänge des jiddischen Films in Polen und die Fortsetzung seiner Geschichte nach Auswanderung und Flucht der Juden in die Neue Welt in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Blick der historischen, kultur- und filmgeschichtlichen Forschung gerieten und zum Gegenstand umfangreicher Einzeldarstellungen und Sammelbände wurden, gilt das für den Bereich der ehemaligen Sowjetunion keineswegs.Vor allem hierzulande arbeiten sich Historiker und Cineasten erst seit dem Beginn der 1990er Jahre allmählich auf dieses Gebiet vor. Die Gründe dafür sind an dieser Stelle nicht im Einzelnen zu diskutieren: die Unzugänglichkeit der Filmquellen jenseits des "Eisernen Vorhangs" dürfte wohl nur einer dafür sein - so manches lagerte bereits damals im National Center for Jewish Film, Brandeis University (USA) und in den deutschen Filmarchiven (nicht nur in denen der DEFA). Doch um danach zu recherchieren, mußte man zunächst einmal auf die Idee kommen, daß es so etwas wie Judentum und jüdisches Leben im sowjetischen Film überhaupt gab.
Seit 1953, dem Aufflackern des spätstalinistischen Antisemitismus, den Hinrichtungen jüdischer, politischer und kultureller Prominenz und der Ärzte-Affäre galt die Sowjetunion nach außen hin als "klassisches Land" des Antisemitismus. Mit ihren permanenten Antizionismus-Kampagnen der 1950er bis 1980er Jahre, mit den zerrütteten Beziehungen zu Israel, mit dem Antisemitismus der Behörden und im sowjetischen Alltag hatte die UdSSR dieses Image in der westlichen Welt nur bestätigt. Seit 1936/1938, im Zuge der zunehmend antisemitischen Judenpolitik der stalinistischen Führung, verschwanden die einschlägigen Filmstreifen allmählich aus dem "kulturellen Gedächtnis" der sowjetischen Gesellschaft - fortan fand man sie weder auf der Leinwand noch in der cineastischen Massenliteratur. Neue Filmproduktionen blieben rar (ja eine Ausnahme). Die Gegenwart gab auch den Rahmen für die Rezeption der Geschichte vor: Man vermutete keinen Film über Judentum und jüdisches Leben in der Sowjetunion mehr. Entsprechend gering blieb im Westen die Zahl der Fachleute und ihrer Studien auf diesem Gebiet. Das galt erst recht für die Sowjetunion.
Kaum hatte die Perestrojka in der Sowjetunion eingesetzt, kaum war der "Eiserne Vorhang" gefallen, schon wurde der Gegenstand wiederentdeckt, mit dem sich auch diese Filmreihe beschäftigen wird: Judentum, jüdisches Leben und der russische bzw. sowjetische Film. Heute stehen wir vor der Tatsache, daß der Film mit jüdischen Figuren und jüdischem Thema in Rußland und in der Sowjetunion auf eine reiche und komplizierte Geschichte zurückblicken kann. Und auch in jenen Epochen und Jahrzehnten, wo er dieses Thema durch fast völlige Abwesenheit "glänzte", bot er nur eine Metapher für die Geschichte der Juden in diesem Land, eine Projektionsfläche für Wendepunkte und Konflikte der sowjetischen Judenpolitik, die einen zunehmend engen Rahmen für die Entfaltung der jüdischen Identität setzte.
In der russischen Filmszene entstanden Filmproduktionen mit jüdischen Figuren und Themen bereits um 1910. Mehr als vierzig solche Filme zählte der unlängst verstorbene russische Filmhistoriker Miron Cernenko auf dem Höhepunkt ihrer Produktion in den 1920er Jahren. Es handelte sich um die Umbruchsjahre in der Geschichte dieser Filme, als sie zum kulturellen und gesellschaftlichen Phänomen in der Sowjetunion wurden. Die sowjetische Epoche in ihrer Geschichte begann mit Filmen wie "Genosse Abram" (Regie: A. Razumnyj, 1919). Die meisten frühsowjetischen Filme versuchten, den offiziellen Vorgaben zu entsprechen, obwohl sie in der Judenpolitik nicht immer so eindeutig gewesen waren, wie man bis in die jüngste Zeit in der Forschung annahm. Ihre standardisierten Sujets lassen sich als Metapher der "Großen Fabel" (Clark) der sowjetischen Kultur lesen. In diesem Sinne ist beispielsweise der Film "Seine Exzellenz" (Regie: G. Rošal', 1928) gehalten - die Verfilmung eines Dramas des jiddischen Dichters Alexander Kušnirov über Girš Lekkert, einen der ersten jüdischen Arbeiterhelden, dessen Kult in der Sowjetunion etabliert werden sollte. Eine seltene Ausnahme bildete ein Film wie das "Jüdische Glück" (Regie: A. Granovskij), die der weltberühmte hebräische Theaterregisseur A. Granovskij nach der Textvorlage von Scholom-Alejchem und unter Beteiligung von Isaak Babel' und Maler Natan Alt'man, mit einer anderen Berühmtheit - dem Theaterregisseur und -schauspieler Solomon Michoels - in der Titelrolle drehte. Einen Mittelweg beschritten Filme wie die unter Beteiligung von Sergej Ejzenšejn (als Mitverfasser des Drehbuches) entstandene früheste Verfilmung der "Odessaer Erzählungen" von Isaak Babel' "Benja Krik" (Regie: V. Vil'ner, 1926), die versuchte, den jüdischem Milieufilm der neuen sowjetischen Geschichtserzählung anzupassen. Die Regisseure dieser Filme, wie beispielsweise G. Rošal', sind mit ihrem Lebenswerk in die Geschichte des russischen und sowjetischen Kinos eingegangen, doch die Tatsache, daß Filme mit jüdischem Sujet zu den Anfängen ihrer cineastischen Karriere zählten, sind in Vergessenheit geraten.
Während der 1930er Jahre setzte der sowjetische Film in jüdische Themen neue Akzente. Juden wurden, wie im Film des Weißrussischen Filmstudios (Belarus'film) "Die Glücksuchenden" (Regie: V. Korš-Sablin, 1936) als "im sowjetischen Boden "verwurzelter" Teil der sowjetischen Vielvölkerfamilie, jüdische Geschichte als Teil der sowjetischen Geschichte dargestellt. Das sowjetische Kino wurde in die Propaganda für die jüdische Kolonisation und die Jüdische Autonomie in Birobidžan (EAO) einbezogen. Der "jüdische Humor", die "jüdische Komik" wurden zum Instrument für die Inszenierung der stalinistischen Sowjetunion als "Gemeinschaft der Fröhlichkeit", für die Erzeugung ihres "schönen Scheins". In der gleichen Zeit entstanden Filme über die nationalsozialistische Judenpolitik, über die einsetzende Diskriminierung und Terrormaßnahmen. So lieferte der in die Sowjetunion emigrierte deutsche Schriftsteller Friedrich Wolf die Drehbuchvorlage für einen dieser Filme: "Professor Mamlock" (Regie: G. Rappoport, 1938). Kurz vor Kriegsaufbruch wurde der Film "Der Traum" (Regie: M. Romm, 1941) fertiggestellt, der im ostjüdischen Schtetl angesiedelt war und die "kleinbürgerliche" Mentalität seiner jüdischen Einwohner mit der "fortschrittlichen", sowjetischen Mentalität einer ukrainischen Magd konfrontierte. Während des Krieges kamen jüdische Sujets und Figuren im Film seltener vor. Eine Ausnahme war der in der zweiten Kriegshälfte gedrehte Streifen "Die Unbeugsamen" (Regie: M. Donskoj, 1945), der erste sowjetische Film, der - wohl in Anlehnung an die Vernichtungsaktion im Herbst 1941 in Babij Jar bei Kiev - auf die Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung im besetzen Territorium der Sowjetunion einging. Aus dieser Zeit sind sowjetische Filmchroniken wie "Auschwitz" (1945) erhalten, die, wenn auch nur am Rande, den nationalsozialistischen Judenmord zur Sprache brachten. Ausgerechnet während der späten Stalin-Zeit entstanden wieder Filme, in denen jüdische Figuren vorkamen. In "Fern von Moskau" (Regie: A. Stolper, 1950) agieren der linientreue Parteisekretär Zalkind und der Ingenieur Liberman. In der Tradition des sowjetischen Films der 1930er und 1940er Jahre stand die bereits nach Stalins Tod erfolgte Verfilmung des Romans "Zeit, vorwärts!" (1966) von V. Kataev mit dem, vom Glauben an den Sozialismus beseelten, sowjetischen Ingenieur, dem Juden Margulies als Hauptfigur.
Zu den zweifellos bedeutendsten Leistungen des sowjetischen Films während des Tauwetters gehört "Soldaten" (Regie: A. Ivanov, 1955), eine Verfilmung des ebenfalls bedeutenden sowjetischen Buches über den Großen Vaterländischen Krieg - "In den Schützengraben von Stalingrad" von V. Nekrasov. Die jüdische Figur des Films - der politische Kommissar und Intellektuelle Farber, "der erste freie Jude auf der sowjetischen Filmleinwand" (Cernenko) - steht hier für den Versuch, eine Alternative zur sowjetischen offiziell aufoktroyierten Ethik zu entwerfen. Hiermit wurde bereits der Weg beschritten, der in Aleksandr Askol'dovs einzigem Film und Meisterwerk "Die Kommissarin" (1968), in der Figur eines Magazannik seine Fortsetzung fand. In den 1960er Jahren unternahm der Regisseur Michail Romm den zweiten (seit dem erwähnten Film von Mark Donskoj) und für weitere zwei Jahrzehnte letzten nennenswerten Versuch, sich in seinem Film "Der gewöhnliche Faschismus" der Thematik des Holocaust im Rahmen eines übergreifenden Vergleichs des Nationalsozialismus mit dem stalinistischen Totalitarismus anzunähern. Sobald in den Filmen der Folgejahre historische Persönlichkeiten vorkamen, deren jüdische Herkunft bekannt war, wurde diese meist "geschickt" umgangen und verschwiegen. Dort, wo diese Herkunft in den Vordergrund rückte, wie in der "Agonie" von E. Klimov, wurden die Protagonisten mit negativen Zügen ausgestattet.
Erst in der Spätzeit der Perestrojka und den 1990er Jahren gelang es dem sowjetischen bzw. russischen Kino, neue Dimensionen des jüdischen Themas auf die Leinwand zu bringen. Nach Miron Cernenko können drei Gründe dafür ausgemacht werden: die Lockerung bzw. die Abschaffung der sowjetischen Filmzensur, das Erwachen und die öffentliche Artikulation des jüdischen Nationalbewußtseins und eine Mode für bisher verbotene und brisante Themen. Das Jüdische sollte zum Kassenschlager werden. Hier sind zum einen die - qualitativ sehr unterschiedlichen - Neuverfilmungen der Klassiker wie Scholom-Alejchem, Aleksej Kuprin und Isaak Babel', die Streifen wie "Wandernde Sterne" (Regie: V. Šidlovskij), "Gambrinus" (Regie: D. Meschiev), "Gauner und König" (Regie: V. Alenikov, 1990) und "Sonnenuntergang" (Regie: A. Zel'dovic, 1991) zu nennen. Zweifellos dominante Themen im russischen Film der 1990er Jahre waren Antisemitismus, die Pogrome und der Holocaust. Ihnen galt die filmische Großmetapher des Dichters Evgenij Evtušenko "Stalins Begräbnis" (1990), die sich in einer für ihre Entstehungszeit äußerst provokanten Form mit dem spätstalinistischen Antisemitismus und der Ärzte-Affäre (1953) auseinandersetzte. Den ukrainischen und polnischen Antisemitismus thematisierten zwei Filme des inzwischen berühmt gewordenen russischen Regisseurs Dmitrij Astrachan "Verschwinde!" (1991) und "Aus der Hölle in die Hölle" (1996); der letztgenannte Film brachte zum ersten Mal das Thema des antijüdischen Pogroms in der polnischen Stadt Kielce (1946) auf die Leinwand. Um eine filmische Introspektive des jüdischen Damenschneiders Isaak und der dem Massenmord ausgelierten Juden von Kiev 1941 handelte es sich beim Film "Der Damenschneider" (Regie: L. Gorovec, 1990). Die individuelle Auseinandersetzung mit dem Judentum, ein Psychodrama der verdrängten jüdischen Identität in der Sowjetunion unter Stalin und Chrušcev war der Film "Paris sehen und sterben" (Regie: A. Proškin, 1992). Umgekehrt wurde in Filmen wie dem "Tschekist" (Regie: A. Rogo?kin, 1991) der Versuch unternommen, die Filmästhetik, die für die Inszenierung des nationalsozialistischen Judenmordes bemüht wurde, auch für die Repräsentation des Roten Terrors zu verwenden.
Die geplante Veranstaltung widmet sich, wie ihr Titel bereits verrät, dem "jüdischen Leben im russischen Film (1917-1999)". Anhand von Einzelbeispielen sollen sieben Jahrzehnte aus der Geschichte des "jüdischen Films" in Rußland bzw. in der Sowjetunion in ihren vielfältigen - und widersprüchlichen - Facetten in einem repräsentativen Querschnitt illustriert werden. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, handelt es sich um erstklassige Filmproduktionen von Weltrang, die aufgrund der politischen Umstände in der Sowjetunion verschwiegen und vergessen wurden und erst in den letzten Jahren ihren Weg in die Öffentlichkeit fanden. Die inhaltlichen Kriterien für die Auswahl der Filme waren je nach ihrem Entstehungszeitpunkt unterschiedlich. Während bei den Filmen aus den 1920er und 1930er Jahren auf die Repräsentativität der Darstellung der Juden und des Jüdischen geachtet wurde, war bei den Filmen nach 1936/1938 die Festlegung auf ein "jüdisches Thema" bzw. das Vorkommen von "jüdischen Figuren" für die Auswahl ausschlaggebend. Diese Vorgehensweise ergab sich daraus, daß Filme mit entsprechender Thematik und Figurenbesetzung in den nachfolgenden Jahrzehnten in der Sowjetunion eher eine seltene Ausnahme bildeten und nur einen kleinen Anteil an der Gesamtproduktion ausmachten. Einige der Filme, die in die Reihe aufgenommen wurden, liefen seinerzeit in kleinen deutschen Kinos (in überschaubaren Sonderreihen zum jüdischen Film) oder wurden im Fernsehen ausgestrahlt, andere dagegen sind hierzulande völlig unbekannt. Der Erlanger Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte erklärte es zu seinem Anliegen, russische und sowjetische Filmproduktionen mit jüdischen Themen und Figuren erstmals zusammenzuführen und - versehen mit einem einführenden Kommentar - im Rahmen der öffentlichen Filmreihe "Auf der Suche nach dem Glück. Jüdisches Leben im russischen Film (1917-1999)" im Filmhaus des KuKuQ (ehemals KOMM) einem breiten Publikum der Stadt Nürnberg und Frankens vorzustellen.
Die Übungsteilnehmer setzen sich das Ziel, Daten zum Leben und Werk der Filmproduzenten systematisch zusammenzutragen und eine Analyse und Interpretation der einzelnen Filme vorzunehmen. Als Historiker interessiert sie die diskursive Konstruktion des Judentums und des jüdischen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart ("jüdische Typen", "jüdisches Milieu", Schtetl, jüdische Geschichte im Altertum etc.); die Repräsentation des Antisemitismus' und des Holocaust'; sowie die diachrone Einordnung der Filme in den zeit- und länderübergreifenden, jüdischen wie nichtjüdischen Diskurs über die Juden und ihre synchrone Einordnung in den Zeitdiskurs.
Die Einzelanalysen nehmen die Figuren und Akteure der Filme, die Filmsprache, die narrativen und dramaturgischen Strukturen, die Filmästhetik und die Filmgattung in den Blick, wobei sie sie auch als Mittel der Konstruktion und Repräsentation des Jüdischen betrachten. Umgekehrt wird danach zu fragen sein, welche Funktion Juden und das Jüdische - einschließlich der (anti)jüdischen Stereotypen - als Objekt und Mittel der Komik und Satire im russischen Film bzw. der Filmkomödie haben. Gleichzeitig wäre zu erörtern, wessen Bedürfnissen - nicht zuletzt auf politischer Seite und auf der Seite des Publikums (soziale Schichten, städtische und ländliche Milieus, Männer und Frauen etc.) diese Filme entsprachen und welche Mechanismen (sowjetische Filmszensur etc.) die Produktion, Verbreitung und Wirkung der entsprechenden Filme steuerten. Ein anderer Schwerpunkt der Übung ist die Distribution und Rezeption des russischen Films mit jüdischen Figuren und Themen sowohl in der Sowjetunion als auch und hiermit betritt man ein völlig neues Forschungsfeld - in Deutschland (Weimarer Republik, Drittes Reich, Bundesrepublik und DDR nach 1945). Hierbei interessieren Fragen der Filmzensur (Filmverbotslisten etc.) und der Rezeptionsbreite ("Kultfilm") etc., denen anhand von Fachzeitungen und -zeitschriften, anhand von Plakaten, Filmheften und anderem filmbegleitenden Material zum jüdischen Film nachgegangen werden soll. Die Veranstaltungsteilnehmer nehmen sich der Frage nach dem Film mit jüdischen Figuren und Sujets als Faktor des jüdischen Nationalbewußtseins in der Sowjetunion und der Fremdwahrnehmung der Juden durch die Nichtjuden.
Ein weiterer Aspekt, der an den Themenbereich der Übung und der Filmreihe angrenzt, ist die Instrumentalisierung des Antisemitismus im cineastischen Metadiskurs in der Sowjetunion, beispielsweise nach dem Zweiten Weltkrieg während der Kampagne gegen den "Kosmopolitismus" und jüdischen "bourgeoisen Nationalismus". Die Ergebnisse dieser Recherchen, Analysen und Interpretationen sollen in Form von öffentlichen Vorträgen, die in den jeweiligen Filmabend einführen, sowie in einer Sammelbandpublikation präsentiert werden.
Die Veranstaltung setzt sich aus drei Teilen zusammen: einer Übung bzw. einem Blockseminar am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte der FAU (Übungsleitung: L. Antipow, M.A., unter Beteiligung von J. Petrick); einer öffentlichen Filmreihe im KuKuQ Nürnberg; der Veröffentlichung eines Sammelbandes mit den im Rahmen der Filmreihe gehaltenen Vorträgen.
A. Das Blockseminar der FAU findet in der letzten April-Woche und der ersten Mai-Woche 2009 am Lehrstuhl für Osteuropäische Geschichte statt. In der letzten Semesterwoche des WS 2008/2009 werden die Themen an die studentischen Teilnehmer vergeben. Zwei Tage vor der ersten Blocksitzung der Übung im SS 2009 erfolgt die elektronische Versendung der Thesenpapiere der Referenten. In der ersten Blocksitzung werden die Thesenpapiere (Einführung in den Film) vorgestellt, diskutiert und die Filme vorgeführt. In der zweiten Blocksitzung findet eine Schlußdiskussion über die korrigierten Thesenpapiere für den öffentlichen Vortrag bzw. für die Sammelbandpublikation statt.
B. Die öffentliche Filmreihe. In der öffentlichen Filmreihe werden die einzelnen oben genannten Filme aufgeführt. Für die Einzelveranstaltung (mit Ausnahme der Eröffnungsveranstaltung) ergibt sich folgende Struktur: Einführungsvortrag (ca. 30 Min), Filmvorführung, Diskussion.
C. Die anschließende Sammelbandpublikation faßt die Ergebnisse der Blockübung und der öffentlichen Filmreihe in Druckform zusammen.
Art der Veranstaltung: (Block)seminar (3 Wochenenden) und öffentliche Filmreihe.
Adressaten: Studenten, Wissenschaftler, breite interessierte Öffentlichkeit.
